Drei Wochen ohne Krieg und Krankheit: Ukrainische Kinder erholten sich in Österreich

In diesem Sommer verbrachte eine Gruppe von Kindern aus Charkiw, die eine Krebsbehandlung abgeschlossen haben und sich nun in Remission befinden, drei Wochen in der malerischen Stadt Ybbs an der Donau in Österreich. Für viele war es die erste Reise ins Ausland – ein wahrer Atemzug von Freiheit nach Jahren in Krankenhauswänden und unter den Bedingungen des Krieges.

Die Kinder wohnten in einer gemütlichen Stadt am Ufer der Donau, wo jeder Tag voller Abenteuer war. Sie machten Bootsfahrten, probierten das Angeln, kletterten, besuchten die Feuerwehr, Museen, ein Wasserkraftwerk und eine Rettungsstation. Dort sahen sie moderne Fahrzeuge, Geräte und durften sogar in die Rolle der Retter schlüpfen. Für Jungen und Mädchen, die selbst oft Patienten des Rettungswagens waren, hatte dieser Besuch eine besondere Bedeutung: Sie konnten die andere Seite sehen – wie diejenigen arbeiten, die täglich Leben retten.

Ein besonderes Erlebnis war das Angeln an der Donau. Für viele war es das erste Mal mit einer Angelrute, und die Freude über den Fang war laut und ehrlich. Doch das Wichtigste – der gefangene Fisch wurde zurück ins Wasser gelassen, damit er weiterlebt. Für die 12-jährige Violetta war dieser Tag besonders: Sie hatte lange davon geträumt zu angeln, und in Ybbs ging dieser Traum in Erfüllung.

Selbst wenn das Wetter Spaziergänge oder Ausflüge nicht zuließ, blieb die Erholung voller Freude. Die Hotelleitung verwandelte den Konferenzraum in ein richtiges Kino – mit großer Leinwand, gemütlicher Atmosphäre und echtem Popcorn. Die Kinder schauten ihre Lieblingsfilme und lachten gemeinsam, als wären sie zuhause in einer großen Familie. Für sie war es ein ebenso wertvolles Erlebnis wie Bootsfahrten oder Stadtausflüge.

Die Abende waren besonders herzlich. Nach einem ereignisreichen Tag spazierten die Kinder an der Donau entlang, hörten dem Rauschen des Flusses zu und teilten ihre Eindrücke. Später warteten gemütliche Teerunden auf sie, bei denen sie die gewohnte Routine ein wenig brechen und länger zusammenbleiben konnten. Diese Momente schufen eine Atmosphäre der Einheit und einer echten Kindheit, in der das Wichtigste aufrichtige Gespräche und das Lachen von Freunden in der Nähe waren.

Ein weiterer sehr wichtiger Teil der Reise war die medizinische Betreuung. Alle Kinder wurden gründlich untersucht, machten Tests, besuchten einen Zahnarzt und einen Augenarzt. Dies sind jährliche Vorsorgemaßnahmen: Nach einer Chemotherapie bleibt der Körper eines Kindes anfällig, und selbst ein einfacher Karies oder Sehprobleme können den Zustand schnell verschlechtern. Chemotherapeutika wirken auf Knochengewebe, Herz und Immunsystem, deshalb benötigen Kinder auch nach dem Rückzug des Krebses eine ständige Überwachung.

Ihr Gesundheitszustand und Wohlbefinden wurden täglich von medizinischem Personal überwacht: Kinderärztin Viktoria Kowal und die leitende Krankenschwester Iryna Slobodeniuk vom Krankenhaus Nr. 25. Sie gaben die notwendigen Medikamente, überwachten die Ernährung und sorgten dafür, dass die Kinder nicht übermüdeten und immer Kraft für neue Abenteuer hatten. „Unsere Aufgabe war es nicht nur, die medizinischen Werte im Auge zu behalten, sondern den Kindern auch ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Sie wussten: Es gibt immer jemanden in der Nähe, dem sie jeden Schmerz oder jedes Problem anvertrauen können“, erzählte Viktoria.

Die Kinder teilten Eindrücke, die unverwechselbar waren. „Mir hat alles gefallen, weil jeder Tag viele positive Emotionen brachte“, gestand die achtjährige Jaroslawa in der Umfrage nach der Reise. Der sechzehnjährige Serhij fügte hinzu: „Jetzt habe ich angefangen zu verstehen, wohin ich gehen soll.“ Andere erzählten, wie sie zum ersten Mal neue Gerichte probierten, Freunde fanden und neue Gewohnheiten entdeckten – wie monatlich zu angeln oder Joghurt zum Frühstück zu essen.

„Vielen Kindern fiel es zuvor schwer, Freunde zu finden. Krankheit und lange Behandlungen nahmen ihnen Jahre der Kindheit, ersetzten den Schulalltag durch Krankenhauszimmer, und der Krieg zwang sie, Wohnort und Klassenkameraden zu wechseln“, erklärte Iryna. Deshalb war diese Reise so wertvoll: Hier hatten alle ähnliche Erfahrungen und verstanden sich ohne viele Worte. „Endlich gab es echte Kommunikation, und ich habe Freunde gefunden, die mich wirklich verstehen“, schrieb die 13-jährige Kira in ihrem Feedback.

Auch die Begleiterinnen bemerkten die besondere Atmosphäre. „Man konnte sehen, wie sich die Kinder jeden Tag mehr öffneten: von schüchtern und still zu mutig und gesprächig. Sie lernten wieder, ohne die Einschränkungen des Krankenhauses zu leben“, berichtete Viktoria. Sie erinnerte sich: „Am meisten beeindruckte mich, wie schnell sie Freunde wurden. Selbst diejenigen, die sich normalerweise zurückhielten, waren nach wenigen Tagen mitten in Teamspielen und gemeinsamen Abenteuern.“

Jeder Fragebogen der Kinder endete mit Worten des Dankes. Sie dankten für die Gastfreundschaft, das gute Essen, die interessanten Ausflüge und dafür, dass die österreichische Gemeinschaft sie wie eigene Kinder aufgenommen hatte. „Möge Gott Ihnen und Ihren Familien gute Gesundheit schenken!“, schrieb eines der Mädchen. Auch die Eltern betonten die Aufrichtigkeit und Fürsorge der Österreicher, die alles taten, damit ihre Kinder sich sicher und glücklich fühlten.

Für Kinder in Remission ist eine solche Reise mehr als nur Urlaub. Es ist eine Chance auf eine vollständige Kindheit, die lange von Krankenhausfluren und endlosen Prozeduren unterbrochen wurde. Es ist ein Teil der Rehabilitation, der Kraft, Glauben und Vertrauen in die Zukunft zurückbringt.

Der Aufenthalt in Ybbs wurde für die jungen Ukrainer ein großer Schritt zur Erholung. „Und das Wichtigste – die Kinder hatten drei Wochen ohne Sirenen, Explosionen und das Echo des Krieges“, fasste Iryna zusammen.