Täglich werden Menschen aus den Frontdörfern der Region Charkiw evakuiert. Tausende Familien verlassen ihr Zuhause nicht aus freiem Willen, sondern wegen Beschuss, Explosionen, Zerstörung und der ständigen Angst um ihr Leben. Unter ihnen sind Kinder, die anstelle einer unbeschwerten Kindheit das Trauma des Krieges erleben.
Eine dieser Geschichten ist die einer Mutter mit vier Kindern. Das jüngste war gerade ein Jahr alt geworden, das älteste war neun. Sie kamen nach Charkiw ohne Dokumente, ohne zu wissen, auf welche Hilfe sie hoffen konnten. Die Kinder waren verwirrt und verängstigt, denn alles um sie herum war fremd: eine neue Unterkunft, unbekannte Menschen, unbekannte Straßen. Und auf den Schultern der Mutter lastete die zusätzliche Verantwortung, sich schnell anzupassen.
Die Fallmanagerin und Psychologin Olha Chudna half der Familie, Ausweise für Binnenvertriebene zu erhalten, eine Unterkunft zu finden, die Kinder auf die Schule vorzubereiten und mehr. Am wichtigsten aber war: Sie unterstützte die Familie und war einfach da.
“Man kann diesen Weg auch alleine gehen, aber im Stresszustand wird er sehr schwer und langwierig. Deshalb ist es im Krisenmoment entscheidend, jemanden an der Seite zu haben, der einen Ratschlag gibt oder einfach zuhört. Genau dafür arbeiten Fallmanager in den Frontstädten. Ich danke den Menschen, die die Notwendigkeit dieser Arbeit verstehen,” erzählt Olha.
Trotz der schwierigen Anpassung an einem neuen Ort und der Bürokratie betont Olha, dass Eltern ihre Kinder aus den Kampfgebieten herausholen müssen.
“Für Eltern, die noch zögern zu gehen: Die Angst vor dem Unbekannten darf nicht größer sein als die Angst vor dem Tod. Dokumente und Wohnungen kann man regeln. Aber das Leben eines Kindes lässt sich nicht zurückholen,” stellt Olha fest.
